Ey, yo... Bitch! - Exklusivinterview mit Loris Milano

Angelina: Loris Milano, ich freue mich, dass du für ein kurzes Gespräch Zeit gefunden hast.

Loris: Kein Ding, gerne.

Angelina: Loris, warum musst du dich eigentlich immer so unflätig ausdrücken? Willst du damit um Aufmerksamkeit heischen, hast du Minderwertigkeitskomplexe, die du überspielen musst, oder bist du einfach nur dumm?

Loris: Fuck, Bitch! Was ist das denn für 'ne Frage?! Ich bin Rapper, Mann.

Angelina: Soll das vielleicht eine Erklärung sein? Hat man als Rapper das Recht, andere Menschen zu beleidigen und zu erniedrigen?

Loris: Alter... das gehört halt dazu. Geht halt verbal etwas rauer zu bei uns. Außerdem ist das auch oft anders gemeint.

Angelina: Eben hast du mich zum Beispiel Bitch genannt. Findest du das in Ordnung?

Loris: Ja, finde ich. Ich nenne jeden Bitch. Meinen Manager, wenn er mir auf den Sack geht, andere Rapper, wenn ich sie disse, Autofahrer, wenn sie nicht die Spur freimachen, wenn ich komme, meine Kollegen, wenn sie mehr Gewichte stemmen können als ich...

Angelina: ... und sogar deine Liebste, in eurem gemeinsamen Song! Ich darf mal zitieren: „Ey, yo… ihr kennt das. Ihr wollt sie, die heißeste Bitch von allen.“

Loris: Und? Ist doch keine Beleidigung, ganz im Gegenteil.

Angelina: Frauen sind also pauschal Bitches?

Loris: Nein. Jeder kann pauschal eine Bitch sein, im Rap. Das ist ein sehr dehnbarer Begriff... Ey, Angelina, von dir hätte ich das aber nicht erwartet, dieses Spießer-Gequatsche... Und du willst Sprach- und Literaturwissenschaften studiert haben?

Angelina: Na, und ob.

Loris: Dann solltest du wissen, Fräulein Oberschlau, dass bestimmte soziale Gruppierungen eigene Ausdrucksweisen entwickeln, in denen bestimmte Begriffe unter Umständen Bedeutungen annehmen können, die von denen im Wörterbuch abweichen. Nennt man Slang, Bitch.

Angelina: Es stört Emma also nicht, wenn du sie so nennst?

Loris: Ey... Emma... Emma ist viel zu groß, um sich über ein Wort aufzuregen. Sie ist smart, Mann, schlau und cool... weißt du, sie nimmt meine Welt in ihre zierlichen Hände und wirft sie wie einen Ball in den Himmel, in die Sterne. Und mir, mir wird schwindlig vor Glück, alles wirbelt durcheinander und glitzert. Sie ist Bling-Bling, mehr als alle Brillanten der Welt zusammen. Sie flasht mich, verstehst du? Also laber mich nicht voll, ob ich sie Bitch nenne oder nicht. Das spielt keine Rolle. Ich liebe sie und nenne sie, wie es gerade passt. Mal Bitch, mal Prinzessin...

Angelina: Ist das nicht widersprüchlich?

Loris: Das Leben an sich ist voller Widersprüche, würde ich sagen. Das Leben lässt sich auch nicht festlegen. Es ist  so vieles. Party, Liebe, Gewalt, Musik, Zerstörung, Sex, Freundschaft, Tod, Facebook, eine Portion Pommes bei McDonalds, ein Urlaub am Meer. Alles Leben. Vielfalt, krasse Gegensätze. Was willst du mir also erzählen? Dass ich mich sprachlich festlegen muss, weil irgendein Penner nicht jede Bedeutungsnuance checkt? So wird es immer sein., aber wen kümmert das schon...

Angelina: So, so. Nun ja. Einige Leute, gerade vielleicht der älteren Generation, können aber mit deiner Musik und deiner Ausdrucksweise nichts anfangen. Wäre es nicht besser, dich denen etwas anzunähern?

Loris (lacht): Um massentauglicher zu werden? Never ever. Die Greise brauchen meine Mucke ja nicht zu hören. Ich zwinge niemanden dazu.

Angelina: Stimmt natürlich. Danke für das nette Gespräch und viele Grüße an Emma.

Loris: Danke, richte ich aus.

 

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